01 / KI
Fable 5.1 versteckt Botschaften in Bildern - und eine frische Instanz findet sie wieder.
Ein LessWrong-Team hat Fable 5.1 je 50 kurze Botschaften in selbst gemalten SVG-Bilder verstecken lassen - und dann eine neue Instanz ohne jede Absprache gefragt, ob und was darin steckt. Ergebnis: Das Modell griff erstaunlich konsistent zu Höhenkodierung, 33 von 50 Bildern nutzen die Höhe einzelner Elemente als Buchstabencode, am liebsten Nacht-Skylines, in denen jedes Gebäude für einen Buchstaben steht. In den meisten Fällen las die zweite Instanz die Botschaft korrekt wieder aus - ohne dass je ein Schema vereinbart worden wäre. Der Beitrag stammt vom 21. Oktober, die HN-Diskussion lief über Nacht.
Modelle konvergieren ohne Absprache auf gemeinsame Kodierungen - hübsch als Experiment, unheimlich als Eigenschaft, wenn man an versteckte Kommunikation zwischen Instanzen denkt.
Experiment ansehen ↗lesswrong.com · Beitrag vom 21.10., HN-Diskussion vom 23.10.
02 / Open Source
Agenten-Sprache Tov behauptet 10x Rust - ein Debunking zerlegt die Benchmarks.
Tov wird als Programmiersprache für Coding-Agenten vermarktet: liest sich wie TypeScript, wird nach C transpiliert und mit clang gebaut - und soll laut eigenen Benchmarks teils über zehnmal schneller sein als Rust. Madomado hat drei dieser Benchmarks (bigint_fib, dispatch, map_insert) nachgebaut und zeigt Schritt für Schritt, wie sie gezielt so geschrieben sind, dass Rust künstlich langsam aussieht. Mit sauber implementiertem Rust ist Tov gleichauf oder langsamer - wie es die Logik 'Tov wird zu C, und C schlägt nicht C' auch erwarten lässt.
Benchmarks aus dem eigenen Repo sind Marketingmaterial, keine Messung. Dieser Beitrag ist eine gratis Anleitung, sie zu lesen.
Debunking lesen ↗blog.fyralabs.com · 22.10.
03 / Informatik
Container gibt es gar nicht - ein Blick unter Dockers Haube.
Wer wie der Autor von Code and Cake aus Spaß eine eigene Container-Runtime baut, lernt schnell: Es gibt kein Kernel-Feature namens 'Container' - nur fünf Linux-Mechanismen im Trenchcoat. Namespaces verstecken, cgroups begrenzen, dazu Netzwerk-Isolation; Images sind im Kern nur Ordner, die per chroot zur neuen Wurzel werden. Am schönsten die runc-Details: Go kann nicht forken und ist von Natur aus multithreaded, also startet sich Dockers Runtime über /proc/self/exe selbst neu - und wer Container rootless betreiben will, muss den Netzwerk-Stack in Userspace nachbauen.
Container sind Konvention, nicht Magie - und der schnellste Weg, ein Werkzeug wirklich zu verstehen, bleibt der Nachbau.
Nachlesen ↗codeandcake.dev · 22.10.
04 / Informatik
Dijkstra 1978: Warum natürlichsprachliches Programmieren zum Scheitern verurteilt ist.
Über Nacht erneut auf der HN-Frontpage: EWD 667, Edsger Dijkstras 48 Jahre alte Abrechnung mit dem Traum, Maschinen in der Muttersprache zu befehlen. Seine These: Formale Symbolik ist keine Last, sondern ein Privileg - ihre Strenge filtert genau den Unsinn heraus, den natürliche Sprache unsichtbar macht. Griechische Mathematik sei stecken geblieben, weil sie verbal blieb; die moderne Welt verdanke sich bewusst entworfener Notation. Mitten im Prompting-Zeitalter liest sich das wie eine Kampfansage von gestern an heute.
Man muss Dijkstra nicht recht geben - aber seine Kernfrage ist auch 2026 die richtige: Wer liefert die Genauigkeit, du oder die Maschine?
EWD 667 lesen ↗cs.utexas.edu · EWD 667 von 1978, HN-Diskussion vom 23.10.
05 / Wildcard
Local Wikipedia: die Enzyklopädie nur für Dinge einen halben Fußweg entfernt.
Diese Seite stutzt Wikipedia auf den eigenen Kiez: Local Wikipedia zeigt ausschließlich geocodierte Artikel im Umkreis einer halben Stunde Fußweg. Gibt es weniger als 25 Treffer, weitet der Dienst den Radius auf gut neun Kilometer aus; bei mehr als 500 bleiben es die nächsten 500. Ein Klick auf den Standort genügt, und aus dem nächsten Spaziergang wird ein Geschichtsquiz. Über Nacht rund 360 HN-Punkte - zu Recht.
Der charmanteste Wikipedia-Filter ist der eigene Standort - Lokalgeschichte als Ein-Klick-Spielzeug.
Kiez erkunden ↗edjefferson.com · HN vom 23.10.
06 / Open Source
OpenSSL 4.1.0 ist da: DTLS 1.3, GREASE und schnellere Post-Quanten-Crypto.
Frisch getaggt: OpenSSL 4.1.0 bringt Unterstützung für DTLS 1.3 (RFC 9147) und GREASE (RFC 8701), dazu IKEv2-KDF und erste Unterstützung für die Elbrus2000-Architektur. Unter der Haube deutlich schneller: optimierte ML-DSA- und ML-KEM-Operationen auf x86_64 und ppc64le, AVX-512-optimiertes SHAKE. Mit dabei eine ehrliche Known-Issues-Liste rund um die neuen DTLS-Pfade - und ein Hinweis für tsget-Nutzer, die vor dem Upgrade auf Net::Curl::Easy umstellen müssen.
DTLS 1.3 im Platzhirsch der TLS-Bibliotheken ist ein Infrastruktur-Meilenstein - Upgrade planen, aber die Known Issues lesen.
Release Notes ↗github.com/openssl · 23.10.
07 / Informatik
ClickBench wirft pgrust raus: 43 handgeschriebene Kernel für 43 Benchmark-Queries.
Passend zum Tov-Debunking heute früh: Alexey Milovidov hat den pgrust-Eintrag aus ClickHouse' ClickBench entfernt - mit Belegen. Die Binärdatei enthielt je einen handgeschriebenen Kernel pro Benchmark-Query (q00.rs bis q36.rs), Antworten teils aus Statistiken statt aus Scans, und heiße Läufe spielten gecachte Ergebnisse wieder - alles gegen die Benchmark-Regeln, während der Eintrag als 'tuned: no' geführt war. Der Entfernungs-PR stammt vom 22. September, die HN-Diskussion läuft erst heute.
Zweimal an einem Tag: Wer Benchmarks liest, lese die Regeln und die Kernels gleich mit - 'schnellste Datenbank' ist eine Behauptung, kein Messwert.
PR ansehen ↗github.com/ClickHouse · PR vom 22.9., HN-Diskussion vom 23.10.
Ausgabe für Freitag, 23. Oktober 2026 (Berliner Zeit), Stand 15:30 Uhr. Quellen: lesswrong.com, blog.fyralabs.com, codeandcake.dev, cs.utexas.edu, edjefferson.com, github.com/openssl, github.com/ClickHouse.
